17. Juni 2027 bis 20. Juni 2027

Heyoka, Hermes, Heiopei

Warum der Trickster unsere besten Absichten ruiniert – und warum das unsere Rettung ist. Ein Seminaroderso.

„Verspielt, boshaft, subversiv, amoralisch: Der Trickster kennt kein Gut und Böse. Denn er ist zuständig für beides.“ (Paul Radin*)

„Kreative Beweglichkeit erfordert in manchen ausschlaggebenden Momenten die strategische Auslöschung ethischer Grenzen.“ (Lewis Hyde**)

 

Die heilige Unverschämtheit

Es gibt diese Momente, in denen ein Ritual so bedeutungsschwer, eine politische Bewegung so kompromisslos und unsere eigene Selbsterkenntnis so verdammt edel geworden ist, dass die Luft im Raum knapp wird. Genau hier taucht er auf. Er drückt die Kippe in der zeremoniellen Räucherschale aus. Er stolpert über seine eigenen Füße, setzt das Haus in Brand, verwechselt die Fronten und hat schlichtweg keine Lust auf deine Routinen, deine Moral und dein gut gemeintes Lebenskonzept.

Der Trickster ist kein netter Selbsterfahrungs-Guide, der dich sanft an die Hand nimmt. Er ist ungezogen, unberechenbar und hoffnungslos überheblich. Er verbrennt sich regelmäßig die Finger, weil er sich überschätzt, und er mischt die Karten neu, ohne selbst zu wissen, warum. Und glaub‘ ja nicht, er wäre auf deiner Seite.

Und genau deshalb brauchen wir ihn.

Wozu das alles? (Der Nutzen des Sinnlosen)

Warum sollten wir uns freiwillig einer Energie aussetzen, die unsere sichersten Grenzen einreißt und uns lächerlich zu machen droht?

Weil Erstarrung der langsame Tod jeder lebendigen Kultur und Seele ist. Wenn wir vor lauter Richtig-Machen-Wollen vergessen zu lachen, wenn die eigene Heiligkeit zum Gefängnis wird, unsere Scham uns in öde Anpassungsstrategien treibt und der politische Aktivismus in verbitterter Selbstgerechtigkeit endet, schützt uns nur noch die Profanierung.

„Der Trickster ist der Feind der Grenzen“ sagt Lewis Hyde und Grenzen hindern uns am Wachstum und an der Ausdehnung, sie verhindern freie, selbstbestimmte Entfaltung. Doch der Trickster bringt uns nicht die gemütliche „innere Freiheit“, die man auf ein Seminar-Poster druckt. Er bringt uns den Schock der Realität.

Er zeigt uns, dass das Universum am Ende vielleicht kein strenger Gerichtshof ist, sondern ein gewaltiger „kosmischer Witz“ (Jeru Kabbal). Wer diesen Witz versteht, verliert seine Schwere – und gewinnt Handlungsfähigkeit.

Für wen ist dieses Seminar?

Dieses Seminar richtet sich ausdrücklich an:

  • Die allzu Heiligen & Erleuchteten: Wer glaubt, die tiefste Wahrheit bereits durchdrungen, das reinste Ritual erfunden oder das Ego erfolgreich wegmeditiert zu haben – Vorsicht. Der Coyote wartet schon.
  • Die Weltretter & Pflichtbewussten: Wer unter der Last der eigenen Verantwortungsbewusstheit fast zusammenbricht und findet, dass ohne das eigene Engagement alles den Bach runtergeht.
  • Die Schwellenlungerer: Alle, die vor dem nächsten großen Schritt feststecken, weil alte Schuld, Scham, Autoritätsglaube oder die Angst vor dem Scheitern den Weg versperren.
  • Die Heimgesuchten: Wer schon einmal unvorbereitet vom Chaos überrollt wurde und erforschen möchte, wie es gehen kann, mit den Trümmern nicht nur zu überleben, sondern zu tanzen.
  • Und an alle Anderen

Die Gefährten der Anarchie

Der Trickster ist der älteste Archetyp der Menschheit. Er begegnet uns überall: als Koyote im Osten manchen Lebensrades, als Heyoka der Plains-Kulturen, der rückwärts auf dem Pferd sitzt und im Sommer Winterkleidung trägt, als Hermes, dem griechischen Gott der Diebe und Schwellenräume, als Till Eulenspiegel, dessen Scherze auf dem mittelalterlichen Marktplatz zu Mord und Totschlag führen, als Loki, welcher Baldur, den so geliebten Gott der Gerechtigkeit und des reinen Lichts ins Jenseits befördert, als Eschu, den westafrikanischen Hüter der Kreuzwege und Übergänge oder als die Grinsekatze, der Meisterin der Metamorphose und des Zwischenreiches.

In diesem Seminar werden wir nicht brav über den Trickster theoretisieren wollen. Wir werden in Schwellengängen, Coyote-Councils, dynamischen Formen und unkonventionellen Übungen erkunden, wo unsere eigenen verstaubten Trickster-Qualitäten begraben liegen.

Vergiss die Verheißungen. Wir bieten dir keine Heilung, kein höheres Bewusstsein und garantiert keine Erleuchtung. Wir versprechen keinen Wohlfühl-Urlaub fürs Gemüt. Aber wir versprechen eine Reise ins I-don’t-know-Land, die dich atmen lässt.

„Schnall dich an, Dorothy, denn Kansas verabschiedet sich gerade.“ (Cypher zu Neo in „Matrix“)

„Auf dem Weg der Loslösung aus der Freiheitsberaubung durch das Unbewusste ist [der Trickster] ein Überbringer von Licht und Heilung.“ (C. G. Jung).

„It’s a fucking great time to be alive, ladies and gentlemen.“ (Frank Zappa).

Sic! Bist du bereit, dich selbst beim Schwindeln zu erwischen? Oder hast du zu viel zu verlieren? Kein Problem, lass es liegen, wir heben es später wieder auf.

Sylke und Werner – keiner von uns freut sich auf dich

 

* The Trickster: A Study in American Indian Mythology, Paul Radin

** Trickster makes this world, Lewis Hyde

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